E Scooter Zulassung: Eine Erfolgsstory oder jetzt schon eine verpasste Chance ?

E Scooter Zulassung: Eine Erfolgsstory oder jetzt schon eine verpasste Chance ?

11. April 2019 3 Von EBT

Vieles an der Geschichte der E Scooter Zulassung in Deutschland mutet wie eine Irrfahrt an. Vieles läßt vermuten, dass es nun eine Wendung in der Strassenzulassung gegeben hat und wir nicht mehr lange über die Vergangenheit reden werden, sondern bald nur noch über die Zukunft. Doch Stopp. Wird die E Scooter Strassenzulassung wirklich eine Erfolgsgeschichte ?

Das Potential der E Scooter

Schauen wir uns die Geschichte der Pedelecs und S-Pedelecs beispielhaft an: 99,5 % aller “E Bikes” sollen nach jüngsten Zahlen Pedelecs sein und lediglich 0,5% davon S-Pedelecs. Und die Anzahl der gesamten E Bikes in Deutschland ist auf über 4,5 Millionen gestiegen. So jedenfalls die aktuellen Verkaufszahlen aus 2018 vom Zweirad-Industrie-Verband ZIV. Warum fährt niemand S-Pedelec und fast alle Pedelec ? Die Gründe dürften durchaus vielfältig sein. Pedelecs werden wie Fahrräder behandelt, S-Pedelecs stehen den Mofas hingegen fast gleich.

Auf der einen Seite: 25 km/h Höchstgeschwindigkeit (viele Pedelecs werden getunt), keine Helmpflicht, keine Versicherungspflicht (ABE,…), Fahrradwege, Waldwege,… Freiheit.

Auf der anderen Seite: 45 km/h Höchstgeschwindigkeit, Helmpflicht, Versicherungspflicht (ABE,…), keine Fahrradwege, keine Waldwege, teurerer Anschaffungspreis… Keine Freiheit.

Welche Faktoren genau eine Rolle spielen, meint man also im Grunde zu kennen. Weiß man Sie exakt ? Wir beschäftigen uns seit 2013 intensiv mit E Bikes – Es ist unser Kerngeschäft. Zu 100 Prozent wissen wir es noch immer nicht genau.

Irgendwo dazwischen liegt vermutlich das “Next Big Thing” mit den E Scootern. In Deutschland. Woanders sind sie längst ein Erfolg, unter anderem auch deshalb weil ihre Integration in den Strassenverkehr liberaler gehandhabt wird: Behandlung wie Fahrrad, 25 km/h,… Um uns herum überall 25 km/h.

Deutschlands E Scooter Sonderweg

In Deutschland zeichnet sich also ein Weg zwischen Pedelec und S-Pedelec ab. Wohin dieser Weg führt weiß keiner. Viele vermuten was. Aber was genau ? 20 km/h, keine Helmpflicht, Versicherungspflicht, Fahrradwege nutzrn, Waldwege sind nicht so wichtig im Vergleich zum Pedelec, eher die Mitnahme im ÖPNV scheint hier entscheidend zu sein, der Anschaffungspreis wird mit der Strassenzulassung sicherlich steigen. Also irgendwo dazwischen. Aber ein Erfolg ? Ist das wirklich absehbar ?

Es werden weiche Faktoren entscheidend sein: Schreckt ein Versicherungskennzeichen ab, sind die 20 km/h gefühlt zu langsam, ist die Mitnahme im ÖPNV gewährleistet,… Daher kommt Unsicherheit. Viele setzen die Karten auf einen Erfolg. Einige prognostizieren einen Erfolg wie Pedelecs. Wir sind gleichfalls begeistert, aber zügeln ständig die eigene Euphorie – noch.

Der angebliche Kampf um den Gehweg

Und nun noch die Debatte um E Skateboards, Mono Wheels und alle anderen Fahrzeuge, die als Überbleibsel deutscher Definitionswut irgendwie ausgegrenzt wurden. Rausgefallen sind. Sie sollen mit dabei sein. Aber wie ? Der 12 km/h E Scooter Klasse zugeordnet ? Auf dem Gehweg ? Proteste. Sicherlich auch begründete und aber auch viele unbegründete Zweifel.

Wir hätten die 12 km/h E Scooter Klasse nie so zugelassen, aber vielleicht ist es nur die Vorbereitung auf Hoverboards, E Skateboards, Mono Wheels, Hover Shoes und was auch immer. Das würde Sinn machen. Eltern, die mit ihren Kindern auf dem Gehweg fahren dürfen, werden mit Sicherheit auch 12 km/h schnell sein. Inline-Skater ebenso.

Mein 9 jähriger Sohn zeigte mir neulich stolz sein Tacho: “Guck mal Papa, ich bin schon mal 28 km/h gefahren !” Ich hatte ihn zurückgerufen, aber irgendwie hat er es getan, auf dem Gehweg, irgendwo im Park, als keiner anderer zu sehen war. So zwischen durch.

März 2019, Bothfelder Anger, Hannover

Und da regen sich Berliner Altherren in Laubenpieper Manier auf, dass der Gehweg verstopft wird ? Wovon ? Von 12 km/h E Scootern ?

Klar, es wird voller auf den Radwegen und Gehwegen, aber doch nur weil die SUVs und E-SUVs die Straße für sich beanspruchen. Nehmt Ihnen einfach Ihren Platz weg ! Sie haben vor dem Hintergrund der bevorstehenden Klimakatastrophe sowieso keine Existenzberechtigung. Besteuert die Autos nach Ihrem Gewicht ! Ändert die Vorfahrtsregeln, so dass in 30er Zonen alle E Fahrzeuge Vorfahrt haben vor Verbrennermotoren !

Wir setzten uns hin und dachten nach, wer denn nun überhaupt diese Dinger (gemeint sind 12 km/h E Scooter) auf den Markt bringen will. Wir telefonierten mit mehreren E Scooter Herstellern, wovon lediglich ein Hersteller meinte: “Ja, vielleicht mal später !” Davor haben nun die Fußgängervereine, die niemand vorher kannte und nun ihre große Stunde gesehen haben, Angst ? Eine Scheindebatte in der Berliner Laubenpieper und Dackelbesitzer die Deutungshoheit über den Gehweg und die Politik bekommen wollen !

Der Gegner sind die Autos

Kein Verkehrsraum gehört einer Fahrzeuggattung alleine, stellte ich auf dem Helmholtzplatz fest. Und vor allem nicht dem Auto. Das ist gesetzt. Aber da war er wieder: Der Gegner. Ich hatte ihn aus meinem Blickfeld verloren. Irgendwo hallte es in meinen Ohren: “Mit den E Scootern wird so viel Elektroschrott auf die Straßen kommen !” Und dann sah ich mich um. Ich stand nun zufällig am Helmholtzplatz in Berlin und sah die Blechdosen um mich rum und überschlug: “30, 60, 100 Autos – Pi mal Daumen 10.000 Euro pro Fahrzeug – Hier stehen in Sichtweite ungefähr 1 Millionen Euro rum, die zu 99% der Zeit einfach nichts machen. Und uns droht der Elektroschrott durch E Scooter mit Strassenzulassung ? Wieviel Elektroschrott da wohl überall in jedem Auto drin sein mag ?” Das hat mir gereicht – an Erkenntnis.

März 2019, Helmholtzplatz, Berlin

Doch ein Punkt war da noch: Diese Autos beanspruchen derart viel Platz. Warum ? Weil Sie das verlängerte Wohnzimmer ihrer Besitzer sind. Man kann sich drin wohlfühlen und private Dinge tun: Rauchen, Musik hören, Chatten, Streiten, Singen oder einfach Nichts. Letztlich kann alles nur ein Erfolg werden, wenn wir die Menschen aus Ihren Autos holen. Das E Bike ist deshalb auch ein Erfolg, weil es eine Leichtigkeit vermittelt. Fahrrad fahren 2.0. Das E Bike Lächeln. Ein neues Lebensgefühl. Das kann der E Scooter noch besser. Das wissen wir aus Erfahrung.

Fazit

Das E Bike Lächeln hat lange gedauert. Über Jahre hinweg vom alten Elektrofahrrad für Oma und Opa zum rasanten E-MTB, welches Wälder und Berghütten inzwischen derart unsicher macht, dass dem irgendwie bald Einhalt geboten werden wird. Zweifelsohne ist das Pedelec eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Und der E Scooter an sich mit all den anderen Elektrokleinstfahrzeugen kann noch mehr: Ein komplett neues Lebensgefühl vermitteln !

Wir wissen das 40% aller Autofahrten unter 2 km Reichweite sind. Fahrräder sind umständlich abzuschließen, rauszuholen,… E Scooter nicht. Das ist die Chance, die uns nun auch die E Scooter Sharing Anbieter ermöglichen. Egal ob sie nun überall ein Erfolg werden oder nicht. Die Shared Economy wird sicherlich nicht überall ankommen. Sie werden eher dort sich behaupten, wo Superurbanität und dauerhaft touristisches Treiben herrscht. Eher da nicht, wo ländliche Randlage vorherrscht. Die E Scooter Sharing Anbieter reißen uns mit Ihren Millionen von Wagniskapital vollgestopft eine Schneise. Soviel Testfahrten kann man mit E Bikes in Fahrradläden sich gar nicht auf einmal vorstellen. Das wird alles verändern. Auf einmal.

Das ist der Schlüssel: Neues Lebensgefühl, direkt bei den Menschen sein, sie rausholen aus Ihrer Komfortzone und Ihnen die Leichtigkeit geben, die sie brauchen um das Auto zu vergessen.

Aber ob das alles so kommt, hängt nicht von uns ab, sondern von den Menschen da draussen. Und von Ihren Widerständen. Wir werden sehen. In 2 bis 3 Jahren lesen wir diesen Artikel noch einmal. Wir sind gespannt wieviel wir uns dann geirrt haben, oder wieviel wir schon geahnt haben…