ADAC E Scooter Test 2019 zeigt: Qualität hat ihren Preis

ADAC E Scooter Test 2019 zeigt: Qualität hat ihren Preis

17. Juli 2019 0 Von EBT

Der ADAC hat in einem Test acht aktuelle E Scooter mit Straßenzulassung genau unter die Lupe genommen. Es handelte sich ausschließlich um E Scooter für den Privatgebrauch, die eine große Preisspanne von günstigen 549 Euro bis hin zu 2.399 Euro abdeckten. Dabei zeigte sich, dass die teuersten Elektroroller tatsächlich am besten abgeschnitten haben. Hier wurde wieder einmal klar, dass die alte Binsenweisheit ganz offenbar ihre Berechtigung hat: Qualität hat offensichtlich ihren Preis.

Die Prüfkriterien: Was genau wurde getestet?

Folgende Kriterien wurden in dem ADAC Test untersucht:

Fahreigenschaften & Komfort:

Subjektive Bewertung von Fahrstabilität, Wendigkeit, Verhalten in Kurven. Beim Antrieb schaute man sich Dosierbarkeit, Ansprechverhalten, Beschleunigung und Geräuschentwicklung genauer an. Die Steigfähigkeit wurde an einer 16-prozentigen Steigung gemessen. Wie komfortabel sich die Scooter fahren, wurde auch auf Pflastersteinen und Schwellenüberfahrten getestet. Beim Reichweitentest wurden die Scooter mit voll aufgeladenem Akku auf derselben Strecke dauerhaft mit Höchstgeschwindigkeit gefahren, bis der Akku leer war und die Fahrzeuge stehenblieben.

Handhabung & Verarbeitung

Hier schaute man sich u.a. die Bedienbarkeit des Klappmechanismus und das Volumen in zusammengeklappten Zustand an. Auch die Höhenverstellbarkeit des Lenkers spielte eine Rolle. Die Ablesbarkeit des Displays und der Umfang des Bordcomputers flossen ebenfalls in die Bewertung ein. Sogar die Verständlichkeit der Bedienungsanleitung fand Beachtung.

Ausstattung

In diesem Zusammenhang wurden u.a. das Gewicht der E Scooter und das maximal zulässige Fahrergewicht beurteilt. Ebenfalls bewertet wurde das Trittbrett, z.B. in Hinsicht auf die Griffigkeit. Es spielte auch eine Rolle, ob die Beleuchtung mit externen Batterien oder mittels des E Scooter Akkus mit Energie versorgt wurde. Das Vorhandensein eines Diebstahlschutzes wurde ebenfalls geprüft.

Fahrsicherheit & Haltbarkeit

Subjektive Beurteilung des Bremsverhaltens (Dosierbarkeit und Stabilität beim Bremsvorgang). Ermittlung des Bremswegs aus voller Geschwindigkeit (20 km/h). Es wurde darüber hinaus subjektiv gecheckt, ob die Roller eventuell scharfe Kanten oder Quetschstellen mit Verletzungsrisiko aufweisen. Darüber hinaus wurden alle E Scooter einer Dauerhaltbarkeitsprüfung unterzogen, die speziell für Elektrokleinstfahrzeuge entwickelt wurde.

Welche Modelle wurden getestet?

Getestet wurden folgende E Scooter, allesamt Modelle mit Straßenzulassung:

Modell Preis in Euro (UVP) Zulässiges Fahrergewicht (in kg) Gewicht des Scooters (in kg) Benotung
BMW X2 City 2399 129 21,2 1,9
Egret Ten V4 1649 100 18,7 2,0
Metz Moover 1998 94 16,3 2,5
IO Hawk Exit-Cross 1199 96 24,1 2,5
Egret Eight V3 1249 100 15,1 2,6
The Urban #BRLN V3 949 99 15,3 2,6
IO Hawk Sparrow 549 88 12,5 3,3
Moovi ES 145 StVO 799 119 10,9 5,0

Benotungsschlüssel (laut ADAC):

0,6-1,5: Sehr gut / 1.6-2,5: Gut / 2,6-3,5: Befriedigend / 3,6-4,5: Ausreichend / 4,6-5,5: Mangelhaft

Quelle: ADAC

ADAC E Scooter Test 2019 – Ergebnisse

Hier haben wir die wichtigsten Ergebnisse aus dem großen ADAC E Scooter Vergleichstest 2019 kurz und bündig für euch zusammengefasst:

  • Die teuersten E Scooter haben am besten abgeschnitten.
  • Wirklich gute E Scooter sind ab einem Preis von ca. 1.000 Euro zu haben.
  • Testsieger wurde der mit Abstand teuerste E Scooter, nämlich der BMW X2 City (ein Modell, das übrigens in Zusammenarbeit mit Kettler entwickelt wurde). Er überzeugte mit der besten Verarbeitung und Ausstattung. Auch in den Sicherheitstests schnitt er sehr gut ab. Selbst die Beleuchtung war hervorragend. Die Höchstnote „sehr gut“ wurde nur deshalb nicht vergeben, weil der Roller ein sehr hohes Gewicht (rund 21 kg) und eine gewöhnungsbedürftige Antriebssteuerung via Fußpedal hat.
  • Drei weitere E Scooter erhielten ebenfalls die Note „gut“, nämlich der Egret Ten V4, der Metz Moover und der IO Hawk Exit Cross.
  • Drei weitere Roller erhielten die Note „befriedigend“: Egret Eight V3, The Urban #BRLN V3 und der IO Hawk Sparrow. Erstaunlich ist, dass auch der mit Abstand preisgünstigste Roller, nämlich der IO Hawk Sparrow (549 Euro UVP) immer noch zu der „befriedigenden“ Gruppe gehört.
  • Zum „Preis-Leistungs-Sieger“ wurde der The Urban #BRLN gekürt: Dieses Modell hat einen schön starken Antrieb, aber trotzdem ein geringes Gewicht und ist sogar für einen Preis deutlich unter 1.000 Euro zu haben.
  • Am schlechtesten schnitt mit der Gesamtnote „mangelhaft“ der Moovi ab, trotz seines geringen Preises (nur der IO Hawk Sparrow war noch billiger): Im Dauerbelastungstest brach die Vorderfederung. Darüber hinaus wurden beim Moovi die zu kleinen Räder und das instabile Fahrverhalten bemängelt. Zu der schlechten Gesamtbewertung trug auch die schwer dosierbare Vorderradbremse bei, die ein hohes Unfallrisiko birgt. Außerdem versagte der Klappmechanismus beim Überfahren eines abgesenkten Bordsteins. Das unbeabsichtigte Lösen des Klappmechanismus führte sogar zu einem Sturz des Testfahrers.

Fazit: Der ADAC Vergleichstest hat deutlich gemacht, dass man lieber etwas mehr Geld investieren sollte, wenn man bei einem E Scooter Wert legt auf Sicherheit, Fahrkomfort und Ausstattung. Der höhere Preis hat bei wirklich hochwertigen E Scootern ganz offensichtlich seine Berechtigung. Bei verlockenden Billig-Schnäppchen sollte man also in jedem Fall skeptisch sein.

Hier noch ein weiteres hochinteressantes Ergebnis aus dem ADAC E Scooter Vergleichstest:

Modell   Reichweite laut Hersteller (in km) Gemessene Reichweite im Test (in km)
BMW X2 City 30 22
Egret Ten V4 40 46
Metz Moover 20 22
IO Hawk Exit-Cross 48 50
Egret Eight V3 30 25
The Urban #BRLN V3 20 20
IO Hawk Sparrow 28 14
Moovi ES 145 StVO 22 15

Im Test zeigte sich, dass die Reichweitenangaben der Hersteller z.T. extrem von den Ergebnissen im Praxistest abwichen.

Am besten in Sachen Reichweite schnitten der IO Hawk Exit Cross und der Egret Ten V4 ab – hier lag die (bei beiden Modellen hohe) Reichweite im Test sogar deutlich über den Herstellerangaben. Nur beim The Urban #BRLN V3 waren Reichweite laut Hersteller und gemessene Reichweite im Test wirklich identisch. Der IO Hawk Sparrow dagegen erreichte nur die Hälfte (!) der vom Hersteller angegebenen Reichweite.

Hier ein paar Schlussfolgerungen, die der ADAC aus dem E Scooter Test 2019 gezogen hat:

  • Größere Reifen sorgten im Test für eine deutlich höhere Fahrstabilität.
  • Man sollte beim Kauf auf möglichst breite Trittbretter achten, da sie den Füßen mehr Platz bieten.
  • Hydraulische Bremsen zeigten im Test ein ausgesprochen gutes Bremsverhalten, da sie in der Regel besser dosierbar sind und den Roller schneller und sicherer zum Stehen bringen.
  • Der ADAC bemängelte, dass kein einziger der getesteten E Scooter einen Blinker hatte. Ein Richtungswechsel müsste deshalb eigentlich per Hand angezeigt werden, was allerdings schnell zu Stürzen führen kann (eine Richtungsänderung per Fuß anzuzeigen, ist übrigens nicht rechtsgültig). Der ADAC empfahl deshalb, dass die Hersteller ihre E Scooter aus Sicherheitsgründen unbedingt mit Blinkern ausstatten sollten.
  • Wichtig ist, das die Käufer auf ein geringes Eigengewicht des Rollers achten.
  • Interessenten sollten beim Kauf auch auf einen herausnehmbaren Akku achten – einen entnehmbaren Akku gab es bei allen acht getesteten Modellen allerdings nur beim BMW X2 City.
  • Außerdem regt der ADAC an, dass die Hersteller die Scooter mit einer Infoplakette ausstatten sollten, die über das maximal zulässige Fahrergewicht informiert.
  • Man sollte beim Kauf unbedingt auf eine ausreichende Reichweite achten – auch wenn sich im Test zeigte, dass die Reichweitenangaben der Hersteller häufig stark von den real erreichbaren Werten abweichen.

Kritik am ADAC E Scooter Test