E-Scooter Reichweite – Was ist genug, wovon hängt sie ab und was ist noch wichtig?

E-Scooter Reichweite – Was ist genug, wovon hängt sie ab und was ist noch wichtig?

3. Dezember 2020 1 Von EBT

Das Thema E-Scooter Reichweite beschäftigt viele E-Scooter Interessierte insbesondere vor dem E-Scooter Kauf. Die Angst vor dem Stehenbleiben scheint recht groß zu sein. Große Reichweite bedeutet jedoch auch immer einen großen Akku, was wiederum den E-Scooter unwiderruflich schwerer macht und dadurch erschwert ihn in Bus und Bahn mitzuführen, oder gar ihn in einen Kleinwagen zu verstauen. Schauen wir uns also mal ganz genau an was es mit der Reichweite eines E-Scooters so auf sich hat.

Wenn man sich einen neuen E-Scooter zulegen möchte, ist die jeweilige Reichweite ganz besonders entscheidend. Denn gerade in Sachen Reichweite kann es, je nach E-Scooter Modell, wirklich deutliche Unterschiede geben – das Spektrum reicht von gerade einmal 12 km („EMicro M1 Colibri“) bis hin zu erstaunlichen 65 km („Segway Ninebot MAX G30D“). Das sind allerdings Extrembeispiele; bei den meisten E-Scootern dürfte die Reichweite irgendwo zwischen 20 bis 40 km liegen.

Auf jeden Fall sollte man sich vor dem Kauf eines E-Scooters erst genau überlegen, wozu man das Gefährt eigentlich nutzen möchte. Sollte man den Scooter nur als reines Last-Mile-Fahrzeug nutzen wollen, z.B. für die letzten paar Kilometer von der Straßenbahnhaltestelle nach Hause, sollten 12-20 km Reichweite in der Regel ausreichen. Wenn man dagegen vorhat, das Fahrzeug auch für ausgedehnte Trips ins Grüne oder für lange Erkundungsfahrten in der City zu nutzen, sollte man sich am besten für E-Scooter mit mehr als 30 km Reichweite entscheiden.

Eine tolle Übersichtstabelle, in der auch die Reichweite der meisten (in Deutschland zugelassenen) E-Scooter aufgeführt ist, findet ihr auf der Startseite vom „EScooterShop“.

Doch wovon hängt die Reichweite eines E-Scooters eigentlich genau ab? Und wie wird die maximale Reichweite eigentlich ermittelt? Hierzu haben wir euch ein paar grundlegende Infos zusammengestellt:

Es gibt zwei Arten von Faktoren, die die Reichweite eines E-Scooters beeinflussen:

Faktoren am E-Scooter selbst:

  • Die Stärke des Akkus (angegeben in Wh oder Ah). Eine höhere Akkukapazität sorgt übrigens in der Regel nicht nur für mehr Reichweite – man muss den Akku auch seltener Aufladen, wodurch sich dessen Lebensdauer erheblich verlängert. Abhängig von der Qualität der verbauten Zellen, hat ein Akku ca. 500 – 2000 Ladezyklen. Viele Hersteller vertreten den Standpunkt, dass ein E-Scooter mindestens 360Wh haben sollte, um eine ausreichende Reichweite zu gewährleisten.
  • Die Motoreffizienz (Dauerleistung des Motors).
  • Die Effizienz der Regelelektronik (Controller).
  • Energierückgewinnung (Rekuperation).
  • Die Bereifung – hat der E-Scooter Vollgummireifen, Luftkammerreifen oder Luftreifen? (Rollwiderstand)

    – Bei Luftreifen: Sind sie korrekt aufgepumpt oder ist der Luftdruck zu niedrig?
    – Bei Luftkammerreifen: Wie hart sind sie?
    – Bei welcher Anfangsgeschwindigkeit setzt der Motor ein?

Äußere Faktoren, die Einfluss auf die Reichweite haben:

  • Das individuelle Fahrergewicht – desto leichter der Fahrer, desto höher die Reichweite. Bei einem Test von ePowerFun, bekannt durch die beliebten ePF-1 E-Scooter, zeigte sich, dass ein 55kg Fahrer etwa 14% weiter kommt als ein 75kg Fahrer. Wog der Fahrer dagegen 102kg, so verlor er 28,5% Reichweite gegenüber dem Fahrer mit 75kg Gewicht.
  • Die Außentemperatur – desto kühler, desto geringer die Reichweite. Im ePowerFun Test zeigte sich, dass man bei 14 Grad Außentemperatur etwa 25% weniger Reichweite hat als bei 25 Grad Außentemperatur.
  • Die individuelle Fahrweise – häufiges Abbremsen und Beschleunigen verbraucht mehr Energie und sorgt für weniger Reichweite. 
  • Das Gelände – ist es eben, oder gibt es viele Steigungen? In hügeligem Gelände entlädt sich ein Akku naturgemäß deutlich schneller.
  • Der Straßenbelag. Auf nicht-asphaltierten, unebenen Strecken ist die Reichweite geringer (Rollwiderstand).
  • Die Geschwindigkeit – permanent Vollgas verbraucht mehr Energie. Im ePowerFun Test kam man zu dem Ergebnis, dass man etwa 15% weiter kommt, wenn man statt 20,6 km/h nur 15,6 km/h schnell fährt.
  • Die Windrichtung: Mit Rückenwind ist die Reichweite erwartungsgemäß höher, bei Gegenwind natürlich niedriger. Je nach Windstärke können die Auswirkungen hier wirklich erheblich sein.

All die genannten Faktoren haben Einfluss auf die Reichweite eines E-Scooters. Da stellt sich natürlich die Frage, wie die Hersteller eigentlich auf ihre jeweiligen Reichweitenangaben kommen und wie zuverlässig diese überhaupt sind? Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die angegebenen Reichweiten von Herstellerseite oftmals extrem optimistisch ausfallen und sich in der Praxis wohl nur unter absolut optimalen Bedingungen erreichen lassen.

Aber: Da die Angaben zur Reichweite in aller Regel unter vergleichbaren Bedingungen ermittelt werden, lassen sich die Reichweitenangaben der verschiedenen E-Scooter durchaus miteinander vergleichen – zumindest bis zu einem gewissen Grad. 

Hier seht ihr eine Reihe von Kriterien, die die meisten E-Scooter-Hersteller bei der Ermittlung der Reichweite ihrer Fahrzeuge berücksichtigen:

  • Das Fahrergewicht sollte ca. 65-75 kg betragen.
  • Natürlich muss der Akku beim Start zu 100% aufgeladen sein.
  • Die Außentemperatur beträgt idealerweise um die 25 Grad – bei höheren Temperaturen kann die Reichweite noch höher ausfallen, bei niedrigen Temperaturen ist sie geringer.
  • Man fährt auf ebenen Strecken (Asphalt) ohne besondere Steigungen.
  • Man fährt bei weitgehend gleichbleibender Geschwindigkeit, typischer „Stop-and-Go“ Verkehr wird vermieden. Aber Achtung: Es soll Hersteller geben, bei denen die Fahrzeuge bei Tests durchgängig gerade einmal 15 km/h schnell fahren (also weit unter der Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h), und das sorgt natürlich für deutlich mehr Reichweite. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h ist allerdings doch etwas realitätsfremd, wie wir finden. Hier würde man, unserer Ansicht nach, zu wesentlich realistischeren Ergebnissen kommen, wenn alle Hersteller ihre Testfahrer anweisen würden, schneller oder durchgehend mit Vollgas zu fahren (soweit möglich).
  • Bei Tests ist es windstill.
  • Wenn sich der Akku stark geleert hat, werden die E-Scooter deutlich langsamer. Viele Hersteller beenden den Reichweitentest, wenn die erreichbare Geschwindigkeit in der Ebene unter 15 km/h fällt.

E-Scooter Reichweite – Fazit:

Wie man sieht, sollte man die Reichweitenangaben der Hersteller immer mit ein klein wenig Skepsis betrachten. Aber wenn sich die Hersteller an die oben genannten Kriterien halten, sollten die jeweiligen Angaben durchaus brauchbar und zumindest ansatzweise vergleichbar sein.

Wichtig vor allem sind veränderliche Faktoren, wie Aussentemperatur, Fahrergewicht und Fahrweise. Diese kann man immerhin selbst beeinflussen, führt aber auch dazu das Angaben der Hersteller immer grobe Richtwerte sind.

Haben wir was vergessen? Bitte schreibe es unten in die Kommentare!

Kommentar von M.H.:

“Meiner Meinung nach braucht man für ausgedehnte Ausflüge nicht wesentlich mehr als 20-30 km effektive Reichweite. Dafür muss ein E-Scooter aber eine theoretische Reichweite von mindestens(!) 30-40 km (+5 km “Puffer”, damit man auch garantiert nicht die letzen Meter schieben muss) haben, da sich die tatsächliche Reichweite mit sinkenden Außentemperaturen, bergigem Fahrprofil und höherem Fahrergewicht drastisch reduziert! Nach jeder längeren (>5-10 km) Fahrt aufzuladen, sollte auch kein Thema sein, zumal nur bei voll aufgeladenem Akku auch maximale Leistung vorhanden ist und dies selbst bei relativ großen Akkus nicht länger als 6-7 Stunden dauert, also spätestens über Nacht erledigt ist. Wer immer nur kurze Strecken fährt, kann auch mit einem 7-8 Ah Akku gut leben und/oder nur alle paar Tage aufladen.”

Aus unserer FB Gruppe: E-Scooter & E Roller – Test. Erfahrungen und Austausch.