ADFC setzt sich für den Radverkehr ein, jedoch nicht für zukünftige Elektrokleinstfahrzeuge!

ADFC setzt sich für den Radverkehr ein, jedoch nicht für zukünftige Elektrokleinstfahrzeuge!

6. Dezember 2018 0 Von EBT

Der ADFC warnt aktuell vor chaotischen Zuständen auf der nach ihrer Ansicht schon überlasteten Fahrrad-Infrastruktur. Er fordert ein bundesweites Investitionsprogramm für sichere und breite Radwege.

Dazu stellt der ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork fest: „Deutsche Radwege taugen nicht einmal für die sichere Abwicklung des vorhandenen Radverkehrs. Wenn ab 2019 zusätzlich eine Welle von E-Scooters durch die Innenstädte holpert, werden wir sehr unschöne Szenen und viele Unfälle erleben. Wenn Minister Scheuer die Radwege für Elektrofahrzeuge freigibt, dann muss er auch für Hunderttausende Kilometer neuer Radwege mit top-gepflegtem Belag und Überholbreite sorgen.“

Unser Kommentar: Dieser Einschätzung können wir erstmal zustimmen, wenn denn die neue Elektrokleinstfahrzeuge Verordnung nicht alles kaputt reguliert.

Beim ADFC sieht man durchaus Potenzial für die neuen Elektrokleinstfahrzeuge, als das ultimative Stadtfahrzeug jedoch nicht. Dem ADFC haben Elektrokleinstfahrzeuge zu viele Nachteile. In der letzten Pressemitteilung zu dem Thema kommt man beim ADFC auf den Punkt: „Man steht ziemlich steif und unbequem auf so einem Roller, kann nichts mitnehmen und wird bei schlechter Wegesituation ganz schön durchgeschüttelt.“ Dazu auch Stork: „Ein weiterer Nachteil mit Blick auf die Gesundheit ist: Der Roller fährt auf Knopfdruck! Man ist also zwar an der frischen Luft, muss sich aber überhaupt nicht bewegen – und wenn wir Deutschen eins tun sollten, dann wäre es, uns im Alltag mehr zu bewegen!“

Unser Kommentar: Es kommt natürlich darauf an, was für ein E Scooter gefahren wird. Die Unterschiede hinsichtlich Federung und Komfort sind sehr groß.

Auf Anfrage durch unseren Blog erhielten wir vom ADFC die Antwort, das man sich für die Entwicklung des Radverkehrs einsetzt, eine Ausweitung auf motorisierte Zweiräder stehe zur Zeit jedoch nicht an. Der ADFC wird sich also nicht speziell für die Belange der Elektrokleinstfahrzeuge einsetzen. Für die Kategorie der selbstbalancierenden Elektrokleinstfahrzeuge, den sogenannten E Boards (E Skateboards, Hoverboards, Mono Wheels), konsequenterweise wohl auch nicht.

„Satzungsgemäß setzen wir uns für die Entwicklung des Radverkehrs ein. Für eine Ausweitung unseres Fokusses auf motorisierte Zweiräder bräuchte es ein einstimmiges Votum unserer 175.000 Mitglieder – und das ist nicht in Sicht.“ So der ADFC auf unsere Nachfrage im Wortlaut.

Unser Kommentar: Hier scheint der zukünftige Konflikt auf den Radwegen und Straßen schon vorgezeichnet zu sein.

In unserem durchaus vielbeachteten Blogeintrag (die Gründerszene nennt unseren E Scooter Blog die „E Scooter Lobby“) haben wir bereits unlängst darauf hingewiesen, dass es dringend besserer Rad- und Verkehrswege bedarf. Vor allem im urbanen Bereich. Gleichzeitig haben wir das zukünftige Gerangel auf den Fahrradwegen schon durch eine ungerechte Behandlung beider Gruppen (Fahrräder und Elektrokleinstfahrzeuge) skizziert:

“Das zweite Kunststück ist, alles Erlaubte möglichst strikt zu regulieren (sogar strikter als Mofas, da über Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis, u.s.w. hinaus, nun sogar Blinker Pflicht werden sollen), dann jedoch die Elektrokleinstfahrzeugen den Fahrrädern im Verkehrsraum gleichstellen, sie aber nur 20 statt 25 Km/h fahren lassen zu wollen. Im Verkehr soll der E Scooter dem Fahrrad sogar Vorrang gewähren.“

Wir begrüßen natürlich, dass der ADFC sich für bessere Radwege einsetzt. Hoffentlich auch für die Elektrokleinstfahrzeuge (EKF). Vor allem bei den sehr viel kleineren Radgrößen von E Scootern ergibt sich ein erheblicher Bedarf die Wege dahingehend zu optimieren: Kleinste Schlaglöcher und Bordsteinkanten können leicht zu starken Unfällen führen. Jedoch scheint das bestenfalls die einzige große Gemeinsamkeit zu sein zwischen ADFC und Fahrern von Elektrokleinstfahrzeugen.

Unser Kommentar: Elektrokleinstfahrzeuge erweitern die Mikromobilität.

In der Gesamtschau stellen die Elektrokleinstfahrzeuge (EKF) einen intermodalen Ansatz in der Mikromobilität dar. Er soll die Menschen weg vom Auto hin zu einer Kombination von ÖPNV und EKF bringen. Wie aus anderen Städten (Wien, Paris, Tel Aviv) bekannt ist, entsteht dadurch dort ein neues urbanes und mobiles Lebensgefühl. Dieses breite Spektrum kann das Fahrrad überhaupt nicht abdecken. Und in einigen Bereichen nur zum Teil, wenn es zum Beispiel um Klappfahrräder geht, die man zusammengeklappt auch tagsüber in Bahn und ÖPNV problemlos mitnehmen kann. Hier stehen also E Kleinstfahrzeuge und Fahrräder gar nicht in Opposition gegenüber. Sie sind eine Ergänzung.

Vor diesem Hintergrund ist der Hinweis, dass man sich mit Elektrokleinstfahrzeugen (E Scootern mit Lenkstange und E Boards ohne Lenkstange) zwar bewegt, aber gesundheitlich nichts für den Körper tut (s.o.), erstmal vordergründig korrekt, aber das tut man im substituierten Auto noch weniger.

Letztich finden wir es schade, dass der ADFC Elektrokleinstfahrzeuge lediglich als motorisierte Zweiräder sieht. Pedelecs und S-Pedelcs sind schließlich auch nur motorisierte Zweiräder, wenn auch mit Tretunterstützung. Das der ADFC wahrscheinlich die Grenze bei der Tretunterstützung und Pedalisierung sieht, kann man schlußendlich verstehen, befriedet aber nicht zukünftig zu erwartende erhebliche Konflikte.

Fazit: Die Fahrradwege und der Verkehrsraum Fahrrad insgesamt gehören mit der neuen Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge nicht mehr dem Fahrrad allein. Gemeinsames Ziel sollte es sein mehr und bessere Verkehrswege zu bekommen und den Kraftfahrzeugen gemeinsam den Raum wegzunehmen.

E Micro