Einfaches Ninebot G30D Tuning per App – Gefahr für die ABE!

Einfaches Ninebot G30D Tuning per App – Gefahr für die ABE!

27. Januar 2020 13 Von EBT

Bislang war das E Scooter Tuning beim Ninebot G30D durchaus möglich, aber etwas aufwendig. Man muß ein Original Dashboard vom Ninebot ES Scooter besitzen, um damit dann den Ninebot G30D zu flashen. Auf diese Weise kann man das Länderkürzel in der Seriennummer ändern und so die maximale Geschwindigkeit des G30D einstellen. Es folgte dann vor kurzem eine Custom Firmware (CFW) mit der man dann noch mehr Einstellungen vornehmen kann. Das externe Dashboard muß trotzdem immer zur Hand genommen werden. Über die Bandbreite der Möglichkeiten haben wir bereits berichtet.

Neues Ninebot G30D Tuning per App ohne Hardware

Nun ist die App “XiaoFlasher for m365(Pro) – NineFlasher for ES-G30” im Google Play Store erschienen, mit der man den G30D ohne jegliches Dashboard flashen kann, also ohne den Einsatz externer Hardware ist nun eine Modifikation möglich. Die kostenlose App findet zur Zeit eine enorme Nachfrage und wird von sehr vielen dankbar angenommen. Folgende Modelle können so ganz einfach modifiziert werden: Segway Ninebot MAX G30 (G30D), Segway Ninebot ES/ES2/ES3/ES4, Xiaomi m365 und Xiaomi m365 Pro. Der Google Play Store weist schon mehr als 10.000 Downloads innerhalb weniger Tage auf. Ein voller Erfolg. Auch die Kommentare über die App sind sehr positiv:

“Kann jetzt meinen Ninebot G30D problemlos in Sekunden übers Handy auf 25 und 27 km/h flashen und auch wieder zurück auf Originale 20km/h.”

“Die beste App, die ich jemals in meinen Leben besessen habe! Einfacher geht’s nicht, ich bin begeistert.”

Wir möchten das gar nicht weiter bewerten. Es gibt genug legitime Gründe den eigenen E Scooter selber einstellen zu wollen: Ein Aufenthalt im Ausland, großer Privatbesitz mit Absperrung zum Wirkungsbereich der StVO. Was auch immer. Die App scheint aus Südtirol zu kommen, also aus Italien, fernab der deutschen Gesetzgebung. Wodrauf wir aber hinweisen möchten, was alle Besitzer eines G30D mit Straßenzulassung in Deutschland betrifft: Das Modell gerät damit in deutliche Bedrängnis bezüglich der erteilten ABE. Der Entzug oder Wegfall der ABE ist durchaus denkbar.

Gefahr für die ABE – Warum ?

Die DIN EN Norm 15194, die in der Elektrokleinstfahrzeuge Verordnung verankert ist, legt unter anderem fest was Hersteller gegen Manipulationen unternehmen müssen. Ein allzu leichter Eingriff soll damit verhindert werden. Das ganze wird Manipulationsschutz genannt. Wie uns aus internen Papieren von Arbeitsgruppen der TÜVs und anderer Institutionen bekannt ist, fällt darunter vor allem der einfache Zugriff über Bluetooth und Apps. Das ist mit der neuen App mehr als gegeben. Mußte man bis vor Kurzem noch zumindest mit einem anderen externen Dashboard und anderen Hilfsmitteln den Eingriff vornehmen, reicht jetzt der einfache Einsatz obiger App. Und das dürfte aus Sicht der Elektrokleinstfahrzeuge Verordnung und der darin verankerten DIN Norm zu einfach sein. Der Ninebot Max G30D ermöglicht so eine viel zu simple Modifikation und Manipulation.

Was passiert jetzt ?

Erstmal nicht viel. Das KBA arbeitet hier nicht proaktiv von alleine. Wie, wann und ob das passiert ist ein andere Frage. Wir möchten die Situation natürlich nicht durch unser zutun eskalieren lassen und verzichten daher auf eine weitere detaillierte Darstellung des Vorgangs, wie das KBA aktiv werden könnte. Das kann theoretisch nächste Woche passieren oder, wenn mancherorts geschlafen wird, auch erstmal gar nicht. Wenn es aber dazu kommen sollte, dürften weitergehende Maßnahmen die Folge sein: Die sich noch im Handel befindlichen Ninebot Segway Max G30D dürften aus dem Verkehr gezogen werden, und der Hersteller müßte alles unternehmen, die beim Kunden sich befindlichen Fahrzeuge wieder zurückzubekommen um die aufgetretene Lücke, zum Beispiel durch ein Software Update, wieder zu schließen. Das Software Update dem Kunden zu überlassen wäre eigentlich zu einfach, denn viele würden das Update natürlich nicht aufspielen, es sei denn der Hersteller könnte Besitzer eines G30D zu einem Update zwingen. Ein genauerer Ablauf wie dann der G30D wieder zur seiner Konformität bzw. ABE kommen könnte ist uns nicht bekannt, da er einmalig wäre. Aber aufgrund dessen ist dieser Vorgang, der Entzug der ABE, eher unwahrscheinlich, aber halt auch nicht auszuschließen, da die DIN EN Norm 15194 mit Ihrer Einbindung in die EKFV auch erst neu ist, es also keine Erfahrungswerte gibt. Aber die DIN Norm ist da sehr eindeutig. Das Argument “früher haben wir auch ganz einfach die Mofa schneller gemacht und es wurde kein Mofa aus dem Verkehr gezogen” zieht also nicht, da die Situation einfach nicht vergleichbar ist.

Fazit

Eine neue E Scooter Tuning App ermöglicht die Manipulation der maximalen Geschwindigkeit auf sehr einfache Art und Weise. Damit bahnt sich aber auch viel Ärger für den Hersteller Ninebot und letztlich alle Besitzer eines Ninebot Segway Max G30D an. Das genaue Prozedere ist derzeit nicht genau fassbar, da die Akteure noch nicht tätig geworden sind. Die Basis für den Entzug oder Wegfall der ABE ist jedoch, wie wir oben gezeigt haben, durchaus vorhanden.